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Offline Rieger  
#1 Geschrieben : Montag, 19. Juli 2021 03:27:41(UTC)
Rieger


Rang: Fortgeschrittener Spechtler
Mitglied seit: 12.04.2010(UTC)
Beiträge: 166
Wohnort: Herne
Hallo ihr Lieben,

gerade komme ich (weil ich als Pauker z. Zt. Sommerferien genieße) gegen 2:00 Uhr MESZ am Montagmorgen des 19.07.2021 aus meinem heimischen Garten hinaufgestapft und bin vom Planeten-Gucken geradezu erschöpft.


Seit dem Katastrophen-Schmuddelwetter gucke ich mir erst die zweite Nacht wieder Saturn und Jupiter an. Auch im Frühjahr war ich wenig dazu gekommen mir die beiden Riesen in den Morgenstunden an zu sehen. Das Frühjahr war meteorologisch zu mau, als dass ich (wegen des Beherbergungsverbotes ohne mietbare Pension) die Nächte in meiner Sternwarte campieren mochte. So merke ich seit gestern erst wieder, dass ich vielleicht auch etwas aus der Beobachtungsübung kam. Das Problem war folgendes:


Ich hatte bislang genügend Übung darin bekommen, unvorbereitet die Jupitermonde anzupeilen und ab 200-300facher Vergrößerung die Scheißerchen am Aussehen zu erkennen. Der Ganymed ist stets der hellste (was man schon im 2“er erkennt) und auch der „dickeste“, die Kallisto ist auch dick, hat aber eine dunkele Oberfläche; schwieriger zu unterscheiden sind die beiden ähnlich kleinen, doch erscheint die Io schwefelgelb, wohingegen die Europa strahlend weiß erscheint. Problematischer, wenn auch zu bewältigen war es, wenn nicht alle vier galileischen Monde auf Anhieb zu sehen waren, weil einer sich vor, ungünstiger sich einer hinter Jupiter oder in seinem Schatten befand. Die heiße Frage war dann, welcher von den vier „Hauptverdächtigen“ fehlt heute oder wenn man ihn denn sogar vor dem Jupiter fand, welcher das nun war.


Das letzte Mal jedenfalls, dass ich bei der Identifizierung von Io und Europa kläglich geirrt hatte war, als ich vor etwa 1½ Jahren mit einem zwar frisch vom Gerd Weber justierten, aber halt hochobstruierten, wenig ausgekühlten und „blöden“ C11 von der Herner Volkssternwarte vor Zeugen mit „Stellarien“ auf ihren Handys zum Vergleich beobachtete. Mit meinen „päpstlichen“, da offenkundig immer unfehlbaren Refraktoren ist mir das seit Jahren nicht mehr passiert. (Liebe Schiefspiegler-Gemeinde: Ich schließe nicht aus, dass auch euer unobstruierter Teleskoptyp „unfehlbar“ sein kann. Ich bedauere, dass ich noch nie durch eine solche Optik beobachten konnte.)


Gestern gegen 1:00 Uhr MESZ war es mir nach langer Pause mit auffälliger Mühe gelungen, die Monde korrekt zu identifizieren. Heute wurde es zum Beobachtungsmarathon. Kallisto und Ganymed (von „links“ im Okular oder von Westen in Richtung Jupiter) waren schnell erkannt. Aber für die planetennächsten Io und Europa habe ich eine Stunde gebraucht, bis ich mich festlegte. Die Ursache war folgende: Nahe Ganymed Richtung Jupiter, im Okular also links, war ein kleines weißes Mondchen und rechts, etwas näher als das kleine Möndchen zur Linken, ebenfalls ein weißes Möndchen. Keines der beiden wollte heute Morgen schwefelgelb erscheinen, womit man es als Io hätte identifizieren können. Die Helligkeit zu unterscheiden fiel auch schwer, da Möndchen in Nähe zum Jupiter subjektiv immer schwächer erscheinen als mit etwas mehr Abstand. Nachdem ich erst dazu neigte, den Mond nahe Ganymed zur Io zu erklären, folgte ich dem Hinweiß, nicht unendlich lang Objekte anzustarren, sondern erst einmal eine Beobachtungspause einzulegen. Jupiter legte indessen azimutal an Höhe zu; dann stellte ich den ADC auf die neu erworbene Höhe ein und nahm nochmals Anlauf: Endgültig entschied ich mich doch, den Mond „rechts“ oder östlich des Jupiters zur Io zu erklären, obwohl er nicht schwefelgelb erschien, da er mir geringfügig größer erschien als die Europa „links“ nahe dem Ganymed.


Als Erklärung für meine Deutung legte ich mir bereit, dass ich kürzlich antiquarisch den „Atlas der Planeten“ erworben hatte, der u. a. von meinem visuellen „Beobachtungshelden“, dem erst vor wenigen Jahren verstorbenen Audouin Dollfus mit herausgegeben worden war. Dollfus hatte darin unter anderem nicht nur die, sich mir im letzten Jahr als sehr hilfreich erwiesenen Merkur-Albedokarten veröffentlicht, sondern zu meiner Bewunderung sogar visuell erstellte Albedokarten der vier großen Jupitermonde (und das alles noch aus der Zeit kurz vor der Weltraumfahrt mit kamerabestückten Sonden). Daher wusste ich um eine Seite der Io, auf der sich ein sehr helles Albedogebiet befindet, dass Io visuell weniger gelblich als gewohnt, sondern eher weißlich als erscheinen lassen könnte.


Nachdem ich schlussendlich aus dem Garten in meine Wohnung hinaufgestapft bin, schaltete ich den PC an, startete eben Stellarium. Meine letztendliche Bestimmung der vier galileischen Monde erwieß sich tatsächlich mit äußerster Mühe doch noch als wiederum „unfehlbar“. Nun scrollte ich auch noch bis Ultimo nahe auf die Io heran; und tatsächlich grinste mich das vermutete, besonders helle Albedogebiet der Io zentral auf der Mondoberfläche für meinen Beobachtungszeitraum an.



Ich würde nun gerne meine „übermenschlichen“ Beobachtungsanstrengungen als neuen Triumph verbuchen, wenn ich mir sicher sein könnte, dass sich das in der Vergangenheit leider auch öfters als kläglich fehlerhaft erweisende Stellarium sich in diesem Punkte doch mal als verlässlich erweisen würde. Sowohl auf meinem PC als auch meinem Laptop hatte ich erst kurz vor dem letzten Neumond und Trip zu meiner Sternwarte im dann leider verregneten Sauerland Stellarium 21.1 (z. B. auch hinsichtlich der Position des GRF) noch aktualisiert.


Wer kann mir vielleicht sagen, wie man zur gewissenhaften Absicherung meines möglicherweise neuen Beobachtungstriumphes, den Transit des hellen Albedogebietes auf Io nachvollzogen zu haben, weiter vorgehen sollte? Kann man irgendwo im Netz z. B. den bei der Beobachtung geltenden Meridian von Io in Grad ermitteln?



Für eure kaum minder zu bewertenden übermenschlich gescheiten Antworten bedanke ich mich jetzt schon mal im Voraus und wünsche euch

CS.

Hubertus

Bearbeitet vom Benutzer Montag, 19. Juli 2021 04:14:38(UTC)  | Grund: Nicht angegeben

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Offline Rieger  
#2 Geschrieben : Donnerstag, 22. Juli 2021 18:52:30(UTC)
Rieger


Rang: Fortgeschrittener Spechtler
Mitglied seit: 12.04.2010(UTC)
Beiträge: 166
Wohnort: Herne
Hallo ihr Lieben,

im großen blauen Nachbarforum gab´s schon Abhilfe. Das Programm "Winjupos" konnte mein Stellarium und damit meine visuelle Sichtung bestätigen: https://www.astrotreff.d...ich-ist-hier-stellarium/

CS. Hubertus
Offline woddy  
#3 Geschrieben : Sonntag, 25. Juli 2021 11:03:46(UTC)
woddy


Rang: Spechtelrentner
Mitglied seit: 07.02.2009(UTC)
Beiträge: 2,712
Wohnort: Iserlohn
Hallo Hubertus
Ich finde es für schon Bemerkenswert mit welcher selbstverständlichkeit du über die Beobachtung von Jupiter's Monden und deren Oberflächen berichtest.
Es wird jetzt doch langsam mal Zeit das es mal klappt mit einem Blick durch deine
Optik.
Der erste Anlauf ging ja leider dank der Wolkendecke in die Hose.
Aber ich werde das sicher noch schaffen BigGrin
Jetzt aber noch was zu deinem Thema.
Ich nutze unter Anderem die Software "Skysafari" dort ist die Darstellung der Monde auch sehr gut.
Die Grundversion gibt es auch als Freeware.
Also dann mal bis die Tage Wink
Beste Grüße
Andreas
Offline Rieger  
#4 Geschrieben : Sonntag, 25. Juli 2021 15:48:52(UTC)
Rieger


Rang: Fortgeschrittener Spechtler
Mitglied seit: 12.04.2010(UTC)
Beiträge: 166
Wohnort: Herne
Hallo Woody,

zuerst vielen Dank für die Blumen-
Ich bin zum August-Neumond vom 04.08. bis 11.08. in Medebach, aber leider nicht in der Nacht vom Sa. 07.08. auf So. 08.08, da mein Enkel am 07.08. Geburtstag hat.
Vielleicht spielt das Wetter mit und du schaffst es am Freitag davor vorbei zu kommen.

CS.
Hubertus

Bearbeitet vom Benutzer Montag, 26. Juli 2021 01:00:24(UTC)  | Grund: Nicht angegeben

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