Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren müssen Sie sich Anmelden oder Registrieren.

Mitteilung

Icon
Error

Optionen
Gehe zum aktuellsten Beitrag Gehe zum letzten Ungelesenen
Offline Pipo  
#1 Geschrieben : Dienstag, 3. September 2019 07:44:06(UTC)
Pipo


Rang: Spechtelrentner
Mitglied seit: 28.04.2010(UTC)
Beiträge: 1,204
Wohnort: Berlin
Moin Moin,

am letzten Wochenende war der Westhavelländische Astrotreff in Gülpe und nur zu gerne würde ich jetzt darüber berichten. Doch für den Sonntag angesagte Gewitter ließen es ratsam erscheinen, eine dringende Reparatur am Dach des Carports vorzunehmen. Nun ja, das Gewitter kam nicht, doch ist wenigstens das Dach wieder in Ordnung.
So stand ich abends im Garten und blickte etwas gefrustet in den Himmel, der ganz leicht diesig, aber eigentlich ganz gut war. Richtung Süden war es wegen der Potsdamer Lichtglocke zu hell, aber im Westen würde Herkules bald unter der Kiefer durchtauchen und seinen Weg Richtung Hausdach nehmen. Ich habe M13 unzählige Male beobachtet, mit allen meinen Teleskopen, nur eben mit dem 12er noch nie. Das wollte ich nun nachholen. Nach dem Aufbau des Blendschutzes und etwas Schlepperei hatte ich ihn dann im Garten und es konnte losgehen. Diesmal nahm ich zum ersten Mal am 12er auch meinen Astrostuhl mit nach draußen, was sich als großer Gewinn erwies.
Dank meiner Barlow habe ich eine sehr enge Okularbrennweitenabstufung erreicht, die keine Wünsche mehr offen lässt. Und so machte ich mir einen Spaß daraus, wie mit einem Raumschiff an den Kugelhaufen heranzufliegen. Ich nahm mir Zeit und entdeckte mit jeder weiteren Stufe neue Details wogegen andere in den Hintergrund traten. M13 stellte sich mit jedem Schritt in einem anderen Licht dar. Das war schon eindrucksvoll und die 12 Zoll machten sich gewaltig bemerkbar. Zuletzt landete ich dann über die Brennweitestufen 25 – 20 – 15 – 10 – 8 bei meinem 6 mm Ortho und das gestattete einen tiefen Blick in das Herz des Haufens, den ich so noch nie gesehen hatte. Dann wollte ich es wissen und stopfte das 8 mm Planetary in die Barlow. 4 mm Brennweite, 375fache Vergrößerung. Zu erst hatte ich etwas Probleme mit der Fokussierung. Jetzt weiß ich, wozu man eine Mikrountersetzung am OAZ braucht. Aber dann hatte ich den richtigen Punkt erwischt. Die Nachführung von Hand war dank des Griffes am Tubus erstaunlich einfach und die oft geäußerte Kritik am GSO-Nadellager kann ich nicht bestätigen. Insgesamt gefiel mir der Anblick mit 10 mm bei 150 am besten. Da steht die Kugel herrlich im Raum und zeigt dabei schöne Filamente. Ich staunte nicht schlecht als ich feststellte, dass ich mit M 13 fast eine ganze Stunde verbracht hatte.
Dann ging es zu meinem persönlichen Favoriten unter den Kugelsternhaufen, M 92. Klein und hell, mit einem schönen Umfeld und dabei noch wunderbar strukturiert. Bereits mit dem 6er habe ich ihn gerne genossen, aber der 12er bot nun eine ganz andere Party. Wieder setzte ich zum Raumflug an und M 92 hatte noch viel stärkere Änderungen in der Ansicht zu bieten als der dicke M 13. Vor allem der Wechsel zwischen direktem und indirektem Sehen zauberte phantastische Effekte hervor. Im Gegensatz zu M 13 ist bei M 92 Höchstvergrößerung angesagt. Da er so klein ist, kann man bis zur letzten Stufe immer noch neue Details herauskitzeln. Als ich dann endlich bei 4 mm angelangt war und immer noch nicht den Kernbereich formatfüllend am Auge hatte (bei 58° Feld wohlgemerkt) ging ich dann meinen letzten Schritt und setze das 6 mm Ortho in die Barlow. Also dann, 500fache Vergrößerung... hatte ich noch nie am Auge. Und was soll ich euch sagen? Nachdem ich dann endlich den Fokuspunkt hatte, war das ein unglaublicher Anblick. Es hatte sich tatsächlich gelohnt, diese letzte Stufe zu zünden! Anschließend wechselte ich noch mehrfach die Brennweiten und verglich die verschiedenen Ansichten, bis ich dann zuletzt der Kugel noch eine Weile mit 500x folgte. Es wunderte mich nicht, dass der Besuch bei M 92 länger gedauert hatte als der bei M 13.
Anschließend stattete ich dann M 57 einen ausgiebigen Besuch ab. Der Ringnebel ist auch ein Klassiker, der stark von der großen Öffnung profitiert. Nach dem Feuerwerk, das die beiden Kugeln abgebrannt hatten, musste er aber zwangsläufig etwas abfallen. Danach ging ich zu Epsilon Lyrae, den ich eine Woche zuvor sowohl mit dem Mak als auch dem 90/900 FH ausgiebig beobachtet hatte. Und ich staunte nicht schlecht. Die Trennung der beiden Doppelkomponenten war gut zu sehen, aber im nur 4“ starken Mak hatte ich ein wesentlich klareres Bild gehabt. Zeit die Justage am Stern zu überprüfen. Wega bot dafür die ideale Gelegenheit.... und ließ mich ratlos zurück. Sowohl intra- als auch extrafokal war nur eine ganz leichte Abweichung vom Idealbild zu sehen. Nur eine minimale Abweichung von der Mitte, sonst keine Auffälligkeiten. Weiß der Geier, warum das Bild im Mak besser gewesen ist.
Anschließend ging es dann zum Katzenaugennebel. Der kleine Fleck kam im 12er auch ganz anders zur Geltung als im 6er, aber auch bei 500x konnte ich ihm keine Details entlocken. Abschließend stattete ich auch dem viel von mir beobachteten M 29 einen Besuch ab. Er war das erste Deepskyobjekt, das ich seinerzeit mit dem 3“ gezielt gesucht und gefunden hatte und deswegen ist er immer ein Ziel wenn er am Himmel steht, meistens als Rausschmeißer wie auch dieses Mal. Tatsächlich sah ich ihn zum ersten Mal mit dem 12er und auch hier gewann ich völlig neue Einblicke. Ich sah völlig neue Sterne und ging auch hier wieder auf die letzte Vergrößerung.

Trotz der Tatsache, dass ich nur Standardkerzen gesehen habe, war es eine der besten Sitzungen, die ich jemals durchgeführt habe. Der dicke 12er eröffnete mir völlig neue Ansichten und ich gewann nebenbei viele wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die Beobachtung. Das gehört aber nicht mehr hierher, der Bericht ist schon lang genug geworden.
„Ausschlafen“ am Sonntag wurde damit auch relativiert, um 4 Uhr hatte ich alles verstaut und ging ins Bett. Aber das gehört nun mal dazu.

Viele Grüße

Pipo
Man darf ruhig dumm sein. Man muss sich nur zu helfen wissen.
-------------------------------------------------------------
Newtons in der Dose - 12" f5 - 6" f8 - 3" f9 und 4,5" f8 Schienendob
4" Mak , 90/900 FH, FG 10x50
Erfle 42 mm, HR 25 und 8, Plössl 20 und 12,5, WA 15 und Ortho 6
Sponsor
Offline mwalbiner  
#2 Geschrieben : Dienstag, 3. September 2019 10:34:15(UTC)
mwalbiner


Rang: Fortgeschrittener Spechtler
Mitglied seit: 16.10.2014(UTC)
Beiträge: 185
Wohnort: 86381 Krumbach
Hallo Pipo,

sehr interessanter Bericht. Man sieht sehr deutlich eine
höhere Öffnung bringt was aber eben bei sehr guten
Bedingungen. Die Lichtverschmutzung in Berlin dürfte
auch nicht ohne sein!

Bin gespannt auf weitere Berichte mit deinem 12 zöller.

Beste Grüße

Manfred
Offline Andreas  
#3 Geschrieben : Dienstag, 3. September 2019 14:44:24(UTC)
Andreas


Rang: Spechtelrentner
Mitglied seit: 16.04.2009(UTC)
Beiträge: 1,005
Wohnort: Taunus
Hallo Pipo

und danke für deinen Bericht. Ähnlich wie du lasse ich mir auch immer sehr viel Zeit für jedes Objekt. Genau dieses intensive Beobachten entspannt und erdet mich am meisten. Den Katzenaugennebel lohnt es sich öfter aufzusuchen. Je nach Himmelsqualität geht da im 12er nämlich so einiges. In manchen Nächten eben aber auch deutlich weniger. Ich habe ihn auf einem Telekoptreffen einmal mit einem 30er beobachten dürfen. Da hat es mich vor lauter gestochen scharfer Details allerdings auch fast von der hohen Leiter gehauen.

Gruß und klaren Himmel
Andreas
Ich sehe was ich sehe - wenn ich es sehe
Offline Rieger  
#4 Geschrieben : Montag, 9. September 2019 21:45:19(UTC)
Rieger


Rang: Fortgeschrittener Spechtler
Mitglied seit: 12.04.2010(UTC)
Beiträge: 136
Wohnort: Herne
Hallo Pipo,

herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen "Kugeln" mit neuen 12".
Was das erfolgreichere Trennen von Doppelsternen mit einem kleineren Refraktor gegenüber einem größeren Newton anbetrifft, sei darauf verwiesen, das der lichtstärkere Newton an den Doppelsternen auch mehr Beugungsringe zeigt. Ich selbst hatte mit 16" mal an einem Doppelstern zu knacken gehabt, der im 6" Refaktor völlig easy war.
Spontan kam mir die Idee, einen der engen Nebelfilter, die im Filterrad ständig am OAZ sitzen, mal in den Strahlengang zu "klicksen", und klicks: Mit weniger Beugungsringen war der nun dunklere Doppelstern sofort auch im Newton sauber getrennt.
Kannst das mit einem dunkelen Filter beliebiger Couleur ja mal ausprobieren.

CS,

Hubertus

Bearbeitet vom Benutzer Montag, 9. September 2019 21:49:49(UTC)  | Grund: Tippfehler

Benutzer, die gerade dieses Thema lesen
OceanSpiders 2.0
Das Forum wechseln  
Du kannst keine neue Themen in diesem Forum eröffnen.
Du kannst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge nicht löschen.
Du darfst deine Beiträge nicht editieren.
Du kannst keine Umfragen in diesem Forum erstellen.
Du kannst nicht an Umfragen teilnehmen.