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Offline woddy  
#1 Geschrieben : Sonntag, 26. August 2018 14:53:25(UTC)
woddy


Rang: Spechtelrentner
Mitglied seit: 07.02.2009(UTC)
Beiträge: 2,639
Wohnort: Iserlohn
Hallo Forum
Das letzte Thema von Horst (Hoschie) ging ja unter anderem um die Aufnahme der Milchstraße mit einem Vordergrund.
Ich vermute mal das das für viele , auch die nicht Astrofotospezis, ein gerngenutztes Motiv darstellt.
Bleibt aber die Frage eine Serie Kurzbelichtungen um die Milchstraße deutlicher zu machen, hat ja auch nicht jeder
das Glück um finsteren Lande zu wohnen, oder doch lieber ein länger belichtetes Einzelbild mit scharfen Vordergrund.
Ich möchte hier mal über meine Erfahrungen kurz berichten.
Erst einmal zu den Einzelbelichtungen...
Ich nutze eine Brennweite zwischen 14 und 18mm egal an welcher Kamera, damit kann ich bei f2,8 oder 3,2 mit ISO800 ca. 15-20s belichten.
mit festem Staiv. Das kann bei gutem dunklem Himmel schon ansehnliche Ergebnisse bringen.
Besser geht es aber wenn man z.B. mit einer StarAdventure arbeiten kann.
Damit kann ich z.B. auf halbe Sterngeschwindigkeit nachführen.
Das hat zur Folge das die Sterne minimal verzogen sind und der Vordergrund ebenfalls.
Bei der kleinen Brennweite fällt das im Bild aber kaum auf, aber die Milchstraße kommt wesendlich besser zum Vorschein.
In dem Modus kann man dann bis zu 45s belichten.
Mit der ISO gehe ich nicht höher da dies bei Einzelbelichtungen nur das Rauschen erhöht was später im fertigen Bild nicht so prickelnd ist.
Bei Serienbildern mache ich solange ein Vordergrund vorhanden ist nicht mehr wie 4-5 Bilder a. max.20s.
Der grund liegt darin das, wenn man viel Bilder macht, den Vordergrund nicht mehr sauber bearbeiten kann.
Bei langen Serien verzieht sich der Vordergrund so lang das man das nicht mehr korrigieren kann, bei wenigen Aufnahmen ist das beherrschbar.
Alle Aufnahmen mache ich im RAW-Modus
Ich habe hier ein Beispiel von diesem Sommer. Aufnahmeort war am Rand von Iserlohn, ca 200m neben meinem Häuschen.
Himmelsquallität ca.4,8mag in UMI.
Zuerst einmal ein Vergleich von Rohbild, dem Stack von 4x30s und dem endbearbeitetem Bild.
Bild Nummer

Dann mal in Groß das fertig bearbeitete Bild
Bild Nummer

Der Vordergrund ist hier im fertigen Bild eingearbeitet (sieht noch etwas zu dunkel aus)
Eingearbeitet habe ich den Vordergrund ins Ffertigbearbeitete Bild mit Photoshop.
Genutzt habe ich dazu ein Rohbild aus der Mitte der Serie, dieses dann als Ebene eingefügt und dann erst mal mit
dem Auswahlwerkzeug den Himmel weggeschnitten. Problematisch sind immer die Lücken in den Bäumen, an Gebäuden ist das leichter.
Dann wird der Vordergrund in der helligkeit etwas reduziert und dann etwas hochgeschoben, sodas er den alten dunklen verschobenen Vordergrund überdeckt.
Es ist natürlich immer etwas Fummelkram der mal besser und mal schlechter läuft.
Die Milchstraße habe ich mit PixInsight und Photoshop bearbeitet, wobei ich den Farbgradienten nicht ganz in den Griff bekommen habe.
Besonder tückisch sind immer die Lichtglocken die leider bei den meisten Orten nicht vermeidbar ist.
Auch hier darf man nicht zu viele Bilder stacken da mann die Aufhellungen nach dem Stack nicht mehr in den Griff bekommt.
Wer Lichtverseucht ist sollte den Vordergrund weglassen.
Alternativ bei gestackten Bildern kann man auch den Vordegrund separat aufnehmen und dann natürlich diesen länger Belichten.
Es ist manchmal schon frustrieren wenn man viele Aufnahmen hat und am Ende nur 2-3 brauchbare Bilder herauskommen.
Aber ok...für die verarbeitung zu einem Startrail reicht es dann immer noch
Ich hoffe ich konnte den ein oder anderen Hinweis geben...
Wenn noch Fragen sind kann ich gern versuchen diese zu beantworten.
bis dann mfG
Andreas

Bearbeitet vom Benutzer Sonntag, 26. August 2018 17:04:10(UTC)  | Grund: Nicht angegeben

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Offline Hoschie  
#2 Geschrieben : Sonntag, 26. August 2018 20:45:29(UTC)
Hoschie


Rang: Fortgeschrittener Spechtler
Mitglied seit: 01.05.2015(UTC)
Beiträge: 164
Wohnort: Wetzlar
Hallo Andreas,

nachdem ich noch vergangene Woche an diesen Aufnahmen gescheitert bin, habe ich jetzt einen Weg gefunden die Bilder in Pixinsight zu bearbeiten. Ohne, dass ich das viel zu teure Photoshop-Abo kaufen muss, und ohne den waidmännisch grenzwertigen Trick mit dem Hochschieben des Horizonts.

Ausgangssituation: Eine Aufnahmeserie aus über 20 nachgeführten Einzelframes, mit einem oder mehreren nicht-nachgeführten Aufnahmen gleicher Belichtungszeit zu Beginn und am Ende der Session. Die Bilder wurden wie üblich kalibriert, und dann auf den ersten nachgeführten Frame registriert (der erste deshalb, weil die Milchstraße mit fortschreitender Zeit hinter den Bäumen verschwindet und ich sie in der Bildmitte haben will, und weil der erste nachgeführte Frame am nähesten zu dem nicht-nachgeführten Hintergrund ist). Anschließend wurden die Bilder gestackt. Mit über 20 Frames hat man ein gutes Ensemble, um über Kappa-Sigma-Statistik zu arbeiten. Wichtig: Den Sigma-Wert für die untere Clipping-Grenze habe ich auf null gesetzt, so werden Stacking-Artefakte des (dunkleren) Horizonts vermieden. Man könnte einen zweiten Stack durchführen mit normalen Sigmawerten, und den später über eine Maske einsetzen, aber an der Grenze zwischen Vorder- und Hintergrund muss ich die Artefakte so weit wie möglich reduzieren.

Nach dem Stacken gehe ich mit dem Dynamic Background Extraction Werkzeug dran und modelliere den Gradienten des Himmels. Hier geht es nicht um das Abziehen des Hintergrunds, sondern darum, ein gutes Modell für den Helligkeits- und Farbverlauf des Himmels zu bekommen. Ich will den Bereich zwischen Himmel und den dunklen Bäumen modellieren, weil dort sonst sunkle Stellen im fertigen Bild übrigbleiben können. Entsprechend setze ich die Samples bis dicht an den Horizont in dem gestackten Bild heran und auch in die Milchstraße, vermeide dabei aber alle Artefakte und - natürlich - große Sterne. Das Resultat ist ein Modell, das zumindest im Übergangsbereich zwischen Vorder- und Hintergrund gut passen sollte.
Bild Nummer

Links: Stack im DBE-Tool, rechts: extrahierter Hintergrund


Als Zweites erstelle ich eine Maske des gestackten Hintergrunds über das RangeSelect Tool. Über morphologische Transformation (Erosion) blähe ich es ein wenig auf, bis alle Reste des Hintergrunds und alle restlichen Artefakte abgedeckt sind. Zum Schluss zeichne ich die Kanten mit einer Faltung weich (hier etwa 26 Pixel Standardabweichung). Die Maske wird invertiert, damit der Himmel nun abgedeckt ist, und das Modell in PixelMath eingefügt. PixelMath-Funktion: Max(Vordergrund,Hintergrund), dadurch bleiben Sterne im Überlappbereich erhalten. Sodele, jetzt sind alle Bearbeitungsartefakte weg. Ich könnte jetzt mit weiterführenden Schritten (z.B. Entrauschen, Entfalten) weiterbearbeiten.
Bild Nummer

Links: glattgebügelter Übergangsbereich, rechts: Maske für Vordergrund


Ich lasse das hier aber, sondern spare mir das für später auf. Ich erstelle nun eine Maske des Vordergrunds. Die Maske dupliziere ich und maskiere sie mit sich selbst, dann wende ich eine oder mehrere Faltungen an (hier 128, 64, 32, 16 Pixel Std in dieser Reihenfolge), um die Kante der Maske ein wenig aufzuweichen. Wie oben wird die Maske wieder invertiert. Zum Schluss füge ich über die Maske mit PixelMath nun (ggf müssen die Farbtöne und Helligkeiten zuvor noch angeglichen werden) den Vordergrund ein. PixelMath-Funktion: Min(Vordergrund,Hintergrund), damit keine Star Trails mit eingefügt werden.
Bild Nummer

Voila! (Bild ist etwas mehr gestreckt, damit man besser sieht wie sauber der Übergang geworden ist)


Natürlich brauche ich die Maske noch für die folgende Nachbearbeitung.

Clear Skies, vor Allem ab in einer Woche wenn der fette Mond entlich mal wieder ein Wenig abgenommen hat!
Hoschie

Bearbeitet vom Benutzer Sonntag, 26. August 2018 21:46:23(UTC)  | Grund: Rechtschreibfehler, hab ich gleich behalten

Viele Grüße,
Horst

HEQ5 Synscan
TS 6" f/4 Newton
BORG 71FL
ALccd 5L-II, ATIK 383L+

Orion Optics 1500mm f/5 Dobson
Offline Hoschie  
#3 Geschrieben : Montag, 27. August 2018 12:45:20(UTC)
Hoschie


Rang: Fortgeschrittener Spechtler
Mitglied seit: 01.05.2015(UTC)
Beiträge: 164
Wohnort: Wetzlar
... möchte euch das (vorläufige) Endergebnis auch nicht vorenthalten:

Bild Nummer


Großer Warthesee am 11.08.2018

Bearbeitet vom Benutzer Montag, 27. August 2018 12:52:04(UTC)  | Grund: JPeg mal wieder dunkler als das Original

Viele Grüße,
Horst

HEQ5 Synscan
TS 6" f/4 Newton
BORG 71FL
ALccd 5L-II, ATIK 383L+

Orion Optics 1500mm f/5 Dobson
Offline woddy  
#4 Geschrieben : Montag, 27. August 2018 16:11:10(UTC)
woddy


Rang: Spechtelrentner
Mitglied seit: 07.02.2009(UTC)
Beiträge: 2,639
Wohnort: Iserlohn
Hallo Horst
Sieht klasse aus...ThumpUp
Ich stecke noch nicht so tief in PI.
Daher bin ich noch nicht so mit dem Funktionumfang vertraut.
Vielleicht wird das ja noch was bei mir.
Dein Ergebniss ist schon sauber gelungen.
Ich bleibe erst mal bei dem Schiebemodus Wink
Bis dann
MfG
Andreas
Offline mwalbiner  
#5 Geschrieben : Dienstag, 28. August 2018 10:06:50(UTC)
mwalbiner


Rang: Fortgeschrittener Spechtler
Mitglied seit: 16.10.2014(UTC)
Beiträge: 135
Wohnort: 86381 Krumbach
Hallo Horst,

alle Achtung sieht toll aus!ThumpUp

Übrigens gibt es seit kurzem Gimp 2.10,
soll ein Quantensprung zum alten sein
aber habe es noch nicht probiert.

Beste Grüße

Manfred
Offline pescadorTT  
#6 Geschrieben : Mittwoch, 29. August 2018 19:31:36(UTC)
pescadorTT


Rang: Spechtelprofi
Mitglied seit: 06.02.2012(UTC)
Beiträge: 625
Wohnort: Bergisches Land
Hallo Andreas, hallo zusammen!

Klasse Bericht mit tollem Tutorial, an dem ich mich demnächst gerne auch mal entlang hangeln werde.
Unsere Milchstraße ist wirklich eine Wucht! Wie schade (schlimm) es doch ist, dass wir sie durch Menschenhand verursachte Lichtverschmutzung kaum noch wahrnehmen.

Viele Grüße,
Sven

| Fotomaschine: 12,5"/ f4,7 C. Busch Spiegel im D. Martini Truss auf gepimpter G.11 mit Gemini II |
| Leitrohr: ED 70/ 420 mit Mgen II |
| Schnellspechtler: Vixen 102 M auf AZ |
| Sammlung: TAL1 | Revue 60/ 700 | Revue 60/910 |
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