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Offline Pipo  
#1 Geschrieben : Tuesday, May 8, 2018 9:32:37 PM(UTC)
Pipo


Rang: Spechtelrentner
Mitglied seit: 4/28/2010(UTC)
Beiträge: 1,156
Wohnort: Berlin
Moin Moin,

für wirklich unvergessliche Beobachtungen muss ja einiges zusammenkommen. Kein Mond, gute Transparenz, wenn man wie ich von Bäumen umzingelt ist, muss der Ausschnitt stimmen und das alles am besten noch am Wochenende. Und das erste im Mai lieferte nun genau das alles und ich fieberte schon die ganze Woche dem Freitag entgegen. Ich hatte mir die Südostecke im Garten ausgesucht und das hieß wieder umfangreiche Blendschutzmaßnahmen treffen, was ich schon am Donnerstag in Angriff nahm. Der Drehpunkt des 12er liegt deutlich niedriger als der des 6er und die Aufstellung muss stimmen.
Der Freitag sollte nur der Warmmacher sein und Leo stand günstig. Was würde hier an Galaxien gehen, bei gut 5 mag Himmel? Zuerst ging ich auf M 105 und N 3371 Das war für den Einstieg genau das richtige und ließ für den weiteren Verlauf großes erwarten. Ich wollte dann zu M 95 und 96 verhedderte mich aber mit dem Sucher in den Gestirnen. So ein geradsichtiger Sucher erfordert Verrenkungen, die man gerne vermeiden möchte. Also dann wieder Starhopping mit den Karten aus meinem Pipo-mag12-Atlas. Das ging prima und flugs hatte ich mit dem 42 mm WA das Ziel gefunden und verweilte eine Weile bei den beiden. Dann ging es aber zum eigentlichen Ziel des Abends, dem Triplett. Ich hatte eine neues Okular am Start, welches ich sehr günstig erworben hatte. Ein 20 mm Planetary und war sehr gespannt darauf, wie sich die kleinere AP im Vergleich zum 25er machen würde. Und in der Tat, die Sicht war besser, noch besser allerdings war das 15 mm WA, dessen AP den besten Gesamteindruck zauberte. Dann konnte ich aber nicht anders und musste mein 8 mm Planetary anlegen. Mit dem 6er war ich damit zuletzt nicht mehr glücklich. Im Vergleich zum 12,5er Plössl erschien mir das Bild doch flau und in mir wuchs der Verdacht, eine „Gurke“ erwischt zu haben. Nun, am 12“ f5 stellte sich das anders dar. Tatsächlich brachte das 8er auch an den Galaxien einen weiteren Gewinn bei der Einzelbetrachtung. Natürlich keine Spiralarme oder so, nein, nicht am Himmel der Vorstadt. Aber zum einen waren die Gx deutlich erkennbar und es waren innerhalb der Objekte Abstufungen und deren unterschiedliche Formen gut erkennbar. Das 8er war rehabilitiert und ich glücklich. Was mich ebenfalls froh stimmte war, dass die Nachführung des GSO wunderbar funktionierte. Ich für meinen Teil kann die oft geäußerte Kritik am Rollenlager nicht bestätigen.
Am Samstag hieß es früh raus und ich baute ab, wobei mir auffiel, dass sich für den Samstag wohl ein anderer Standort im Garten besser anbieten würde, denn der Löwe pirschte sich vom Terassenblick aus zwischen den Bäumen durch. Großartig! Die vermaledeite Lampe auf dem Gehweg ließ sich so vermeiden.

Also baute ich am Samstag auf meinen bevorzugten Standort um. Und auch dort installierte ich natürlich meinen bewährten Blendschutz und begab mich in meine provisorische Sternwarte.

Bild Nummer


So konnte ich diesmal das westliche Ende des Löwen ins Visier nehmen. Es war nicht nur „wetterberichtfürnichtsterneguckerklar“, sondern richtig klar. Mal abgesehen von der standortbedingten Grundhelligkeit des Himmels also beste Bedingugen für eine Galaxientour.
Es war angerichtet und als erste wanderten N 3226 und 3227 auf den Teller. Beide sehr klein, aber gut zu erkennen. Weiter ging es zu N 3193 und 3190. Hier verweilte ich lange Zeit und machte etwas, das ich an lohnenden Objekten gerne mache. Ich wechselte ständig die Okulare, um Sicht und Ausschnitt zu variieren und mich immer wieder am neuen Anblick zu erfreuen. Zum Glück hatte ich doch das Zeichenbrett mit raus genommen, bei Gx ist das ja nicht unbedingt sicher. Jedoch war das Pärchen im 8er Planetary zu schnuckelig, um es einfach so gehen zu lassen und ich hatte laaaange nicht mehr gezeichnet.

Bild Nummer


Nachdem ich mich von den beiden verabschiedet hatte, ging es weiter zu N 3162 und das war mit 11,6 mag schon knifflig. Hier zeigte sich der Wert des neu erworbenen Okulares. Mit dem 20er war die Gx indirekt tatsächlich am besten auszumachen. An N 3098 mit 12 mag scheiterte ich aber. Eine sichere Sichtung war nicht möglich.
N 3377 war klein aber flächenhell und damit eine gute Sichtung. Die größere N 3596 mit 11,3 mag nur ein Hauch am Himmel, indirekt aber sicher zu sehen.

Mittlerweile lagen dann auch Bodes Galaxien in Sicht. Am 6“ schon ein echter Bringer waren sie am 12“ ein Erlebnis. Insbesondere die Zigarre. Und hier musste dann wieder das 8er ran und stanzte sie aus dem Himmel. Nun wollte ich es wissen. Das 6er Ortho hatte ich auch in den Koffer gepackt und jetzt war die Gelegenheit, es einzusetzen. Und Yeah! Was für ein Anblick! Im 8er war die Teilung schon erkennbar gewesen, aber im 6er trat sie noch deutlicher zu Tage. Auch dieses Okular entfaltet erst jetzt am 12“ f5 sein wirkliches Potential.

Das war klasse, ich verließ meine Umhausung und dann fiel mein Blick auf Jupiter. Den konnte ich mir doch nicht entgehen lassen. Es war jetzt etwas Rasenkraftsport (RB-schleppen Tubus-werfen) angesagt und dann konnte ich dem Gasriesen meine Aufwartung machen. Das war der richtige Absacker für die Beobachtungssitzung, oder besser -stehung.

Unglaublich, wie die Zeit vergeht, erst nach drei Uhr hatte ich das wichtigste abgebaut. Das hatte sich wirklich gelohnt und wird wohl noch lange in meinem Gedächtnis bleiben. Kaum vorstellbar, was in dieser Nacht an einem dunkleren Ort mit diesem Rohr möglich gewesen wäre.

Mit einem verklärtem Lächeln im Gesicht und vielen Grüßen

Pipo
Man darf ruhig dumm sein. Man muss sich nur zu helfen wissen.
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Newtons in der Dose - 12" f5 - 6" f8 - 3" f9 und 4,5" f8 Schienendob
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Offline pescadorTT  
#2 Geschrieben : Tuesday, May 8, 2018 9:51:34 PM(UTC)
pescadorTT


Rang: Spechtelprofi
Mitglied seit: 2/6/2012(UTC)
Beiträge: 580
Wohnort: Bergisches Land
Hallo Pipo,

zwei wunderbare Nächte über die Du sehr schön berichtest und eine feine Zeichnung die Du uns zeigst! Tolle provisorische Sternwarte und Dein 12" macht sich wohl verdammt gut ThumpUp
Wünsche Dir weiterhin guten und klaren Himmel und ebenfalls viel Spaß mit dem Trum. Hoffen wir mal nicht, dass es nun so lange bewölkt bleibt Wink

In diesem Sinne; ein Hoch auf die Lichteimer!

Lieben Gruß,
Sven
Spiegel | Linse | Kopfkino


Offline raziel28  
#3 Geschrieben : Wednesday, May 9, 2018 8:25:44 AM(UTC)
raziel28


Rang: Spechtelprofi
Mitglied seit: 8/24/2009(UTC)
Beiträge: 608
Wohnort: Carlsberg
Hallo Pipo,

sehr schöner Bericht, hat Spaß gemacht zu lesen. Vor allem die vorbereitenden Arbeiten um die Night of the night zu planen.
Und dann passt einfach alles zusammen und es will so, wie man es sich vorgestellt hat. Ja, das sind diese Nächte, von denen man lange Berichten wird.

Aber, Tubuswerfen, das könnte eine neue sportliche Disziplin werden LOL
Man stelle sich vor, der Tubus muss in die Rockerbox geworfen werden und am Ende muss Jupiter im Okular zu sehen sein....
Carpe Noctem
Toni

Eine Sache sollte immer so gebaut sein, dass der gewünschte Zustand auch der einfachste ist.
Offline Andreas  
#4 Geschrieben : Wednesday, May 9, 2018 4:17:25 PM(UTC)
Andreas


Rang: Spechtelprofi
Mitglied seit: 4/16/2009(UTC)
Beiträge: 944
Wohnort: Taunus
Hallo Pipo,

danke fürs mitnehmen!
Wir waren mit unserer Gruppe letzten Freitag nach unserem Vollmondstammtisch nochmal gemeinsam draußen und haben bis zum Mondaufgang einiges vom Himmel holen können. Benny will noch einen Bericht nachliefern (da ich wieder mal zu faul dazu war). Freut mich, dass du mit dem Dicken deinen Spaß hattest und ich bin beeindruckt, welchen Abschattungsaufwand du hier treibst. Das einzige, das bei uns störte war ein später Bauer mit LED-Blendwerk, aber der haute schließlich wieder ab. Hoffentlich geht am langen Wochenende zwischen den Gewittern noch was.

Gruß und klaren Himmel
Andreas
Ich sehe was ich sehe - wenn ich es sehe
Offline Oliver Schulz  
#5 Geschrieben : Wednesday, May 9, 2018 7:37:53 PM(UTC)
Oliver Schulz


Rang: Spechtler
Mitglied seit: 3/6/2016(UTC)
Beiträge: 31
Wohnort: Berlin
Hallo Pipo,

Danke für den Ausflug in Deine Beobachtungsnächte! Es ist doch schön, wenn man mit einem verklärten Lächeln aus solchen Nächten geht. Smile
Und auch eine schöne Zeichnung! Ich finde es immer faszinierend, dass manche das, was sie sehen, so, wie sie es sehen, zu Papier bringen können. Ich hatte mit dem Zeichnen immer so meine Schwierigkeiten. Irgendwie sah es auf Papier immer nicht so aus wie im Okular. Vor allem die Feinheiten in Strukturen und Schattierungen. Respekt!

Viele Grüße und (bald wieder) klare Nächte
Oliver
Vixen VMC200L, Sky-Watcher Explorer 200 PDS, HEQ5-Pro SynScan, MGEN, Baader MPCC Mark III, Canon EOS 700D
Offline Pipo  
#6 Geschrieben : Thursday, May 10, 2018 9:19:53 PM(UTC)
Pipo


Rang: Spechtelrentner
Mitglied seit: 4/28/2010(UTC)
Beiträge: 1,156
Wohnort: Berlin
Moin Leute,

vielen Dank für die Kommentare Ja das hat sich gelohnt. Ich war lange der Meinung, dass sich mehr als 6“ hier nicht lohnen würden und hatte die Pläne für ein größeres Rohr bereits ad acta gelegt. Bis ich dann diesen Zufallstreffer landen konnte. Der Unterschied ist wirklich frappant.
Da sich der Aufbauaufwand von dem des 6ers nicht unterscheidet (ist vom Schleppen mal abgesehen sogar einfacher), ist der kleine erst einmal arbeitslos und ich habe darüber nachgedacht, was ich mit ihm machen soll. Aber so langsam schält sich da schon ein Plan aus der Dunkelheit.

Am Wochenende soll es hier wieder ganz gutes Wetter geben. Mal sehen, was sich da ergibt.

Viele Grüße

Pipo

PS: Habe gerade eben auf meiner Wetterseite diverse Berichte vom heutigen Tage gelesen. Wir sind hier nur von ein paar Tropfen getroffen worden. Scheint aber teilweise sehr schlimm gewesen zu sein. Ich hoffe, ihr seid alle glimpflich davongekommen.
Man darf ruhig dumm sein. Man muss sich nur zu helfen wissen.
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Offline Hoschie  
#7 Geschrieben : Tuesday, May 15, 2018 11:42:13 PM(UTC)
Hoschie


Rang: Fortgeschrittener Spechtler
Mitglied seit: 5/1/2015(UTC)
Beiträge: 136
Wohnort: Wetzlar
Zitat von: Pipo Gehe zum zitierten Beitrag
bei gut 5 mag Himmel




Moin Pipo, beeindruckend - bis um 3 Uhr hast du durchgehalten! Ich war fotografisch unterwegs, aber gegen 3 schon richtig durchgefroren, obwohl ich einen Großteil der Zeit im Inneren verbrachte.

Aber ich hab da mal eine Frage: Wie beurteilst du die Durchsicht am Himmel?
Ich habe mir da aktuell ein paar Sterne ausgeguckt - alle im kleinen Bären - und in letzter Zeit versuche ich, wärend die Kamera Fotos knipst, die Durchsicht anhand Dieser zu beurteilen. Da sei z.B. Eta UMi genannt, quasi das Vorderrad am kleinen Wagen. Wenn der nicht zu sehen ist, dann ist schonmal schlecher als 5,1 Mag. Das erscheint mir dann als "schlecht". Wenn doch sichtbar, dann schaue ich, ob 19 UMi (Mag 5,6) direkt daneben, oder HIP 78661 (Mag 5,85, auf halbem Wege zu Ceta UMi - alle Angaben nach Extinktion) zu erahnen sind. Was mir dann eigentlich auch meistens gelingt, zumindest letzte Woche.

Ich habe aber irgendwie die leise Vermutung, dass Magnituden von knapp 6 an diesem Standort maßlos übertrieben sind, und man will ja objektiv sein. Mit der wahnsinnigen Lichtglocke von Gießen, der von FFM, und an manchen Tagen dem Flutlicht vom Fussballplatz 5 km weiter, in dem man seinen Schatten an der Wand sieht. Die Betonung oben liegt auch auf "ahnen". Hinzu kommt dass ich eigentlich einen ziemlichen Ast auf meinen Glubbies habe, und auch nicht eine halbe Stunde dunkeladaptiere. Was ist dein Kriterium?

Auf baldig wieder klare Nächte,
Hoschie

Bearbeitet vom Benutzer Tuesday, May 15, 2018 11:47:12 PM(UTC)  | Grund: Nicht angegeben

Viele Grüße,
Horst

HEQ5 Synscan
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Offline Pipo  
#8 Geschrieben : Wednesday, May 16, 2018 9:37:43 AM(UTC)
Pipo


Rang: Spechtelrentner
Mitglied seit: 4/28/2010(UTC)
Beiträge: 1,156
Wohnort: Berlin
Moin Horst,

ich orientiere mich auch an UMi. Aber wie ich nach Jahren weiß, kann das sehr in die Irre führen und ist nur ein Anhaltspunkt so wie die „Niederschlagswahrscheinlichkeit“.
Bei uns ist der Himmel oft mit reichlich Feuchte gesegnet und das lässt ihn auf Grund der ganzen Streustrahlung schnell absaufen. Auf die Sternchen in UMi hat das aber erstaunlich wenig Einfluss. Diese Punktquellen sind sehr widerstandsfähig, ganz im Gegenteil zu den flächigen Objekten die man gerne beobachten möchte. Dazu kommt noch, dass es immer schlechter wird, je näher man an den Horizont geht und das wiederum ist auch von Tag zu Tag anders. Manchmal ändert sich das sogar innerhalb einer Nacht ganz plötzlich. Hatte ich schon mehrfach. Entscheidend ist die Flächenhelligkeit der Objekte. Die reine mag-Angabe ist auch so eine Art „Niederschlagswahrscheinlichkeit“, gerade an schlechtem Himmel.

Ich bleibe immer erst mal eine Weile mit dem Auge am Firmament und schaue, was sich so allmählich so herausschält. Im Moment bieten sich da z.B. der Luchs oder das Haar der Berenike an. Kann man z.B. den Coma-Cluster problemlos erkennen oder nicht und wenn ja, wie deutlich ? Dann gibt es all überall noch schöne Formationen, die sich im Laufe der Zeit einfach einprägen, ohne dass ich sie jetzt konkret benennen könnte. Von den Sichtbarkeiten, die du für deinen Standort angegeben hast ausgehend, ist dein Himmel deutlich besser als meiner.

Und im Endeffekt nutzt dass alles kaum etwas, denn der Himmel ist so wie er ist. Die letzte Wahrheit erlange ich erst, wenn ich durch das Okular schaue. Und da habe ich schon gewaltige Überraschungen erlebt, den vorherigen Annahmen zum Trotz. Im Guten wie im Schlechten.


Viele Grüße

Pipo
Man darf ruhig dumm sein. Man muss sich nur zu helfen wissen.
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