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Explore Scientific H-Beta Filtertest
Hico Offline
#1 Geschrieben : Mittwoch, 11. Dezember 2013 23:05:20(UTC)


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Hallo zusammen,

´ne Menge Zeit habe ich investiert, um euch folgendes zu zeigen ... aber natürlich auch, um in erster Linie mir zu zeigen, was die Neuanschaffung taugt. Ich bin da schon auch etwas skeptisch an den Kauf dieses Explore Scientific H-Beta Filters rangegangen, zum einen, weil ich überhaupt keinen einzigen Erfahrungsbericht zu diesem Nebelfilter gefunden habe, zum anderen, weil er so günstig ist und zu guter Letzt, weil ich vor ein paar Jahren ja schon negative Erfahrungen mit dem Kauf meines Baader O-III Filters machen musste.

Vor gut zwei Wochen habe ich nach langem hin und her überlegen und einem Telefonat mit einem Techniker von Explore Scientific, der mir zugesagt hat, einen handselektierten Filter für mich rauszusuchen, mich zum Kauf dieses 2" H-Beta Filters durchgerungen und bekam den Filter dann letzte Woche Montag auch geliefert. Ordentlich verpackt traf das "Riesenpaket" bei mir an der Arbeit ein und ich konnte es kaum erwarten, ihn ausprobieren zu können.



Nett verpackt ist das Teilchen schon, aber danach kann man natürlich nicht urteilen. Das beiliegende Messprotokoll zeigte, dass die Transmissionskurve nicht so sehr eng ist und sogar in die größeren Wellenlängen schon bis knapp in den O-III Bereich hineinragt. Das ließ meine noch leicht vorhandenen Zweifel auch nicht gerade verschwinden. Aber allein auf ein beigelegtes Meßprotokol wollte ich auch nichts geben und schon garnicht danach urteilen.

Zwei visuelle Tests:

Am gleichen Abend gab es sogar Clear Sky, sodass ich mit dem neuen Filter und meinem 12"er an meinen Beobachtungsplatz fahren konnte. Die Bedingungen waren nicht perfekt, die Transparenz war sehr wechselhaft. Normalerweise wäre ich garnicht erst rausgefahren. Aber es brannte mir natürlich unter den Nägeln den Filter zu testen.

Das erste Objekt sollte der Californianebel NGC1499 im Perseus sein. Dazu schraubte ich den Filter in mein 31ger Nagler - das Filtergewinde ist über jeden Zweifel erhaben, was nicht selbstverständlich ist. Wer z.B. Filter von Baader kennt (mein UHC-S ist diesbezüglich eine Katastrophe!), kann das bestimmt bestätigen.

Natürlich ist NGC1499 für ein Teleskop mit 1524mm Brennweite schon viel zu groß, aber ich habe auch eine recht gute Beobachtung mit einem 16" f/4,5 mit dem 31ger Nagler und einem ICS H-Beta Filter in Erinnerung, wo das Abfahren des Nebels schon auch Spaß gemacht hat.

Erst war ich mir bei der Sichtung des Nebels nicht wirklich sicher - die Wetterbedingungen spielten mir immer wieder an dem Abend einen Streich. Dann aber gelang es mir doch, aber so richtig toll war es nicht. Es war schon ziemlich schwierig überhaupt die Abgrenzung zu den Tiefen des Alls auszumachen. Strukturen innerhalb des Nebels konnte ich nicht sicher ausmachen. Der Kontrast zum Himmelshintergrund war doch sehr schwach.

Etwas enttäuscht ging ich dann auf IC434 los. Das ist die zarte Nebelbank im Orion, die dafür verantwortlich ist, dass man einen der schönsten Dunkelnebel überhaupt erst zu sehen bekommt - B33, der berühmte Pferdekopfnebel. Da war ich absolut heiß drauf.

Mit Hilfe einer Detailaufsuchkarte war die entsprechende Stelle südlich des gleißend hellen Gürtelsterns Alnitak schnell gefunden. Aber die Nebelbank mit der dunklen Ausbuchtung des Pferdekopfes ließ sich ganz schon bitten, bis da ein Zartes Etwas zum Vorschein kam und auch als sicher beobachtet durchgehen konnte. Mein neuer Mitbeobachter Chrissy war auch mittlerweile am BeoPlatz angekommen und auch er konnte nach meiner Beschreibung die dunkle Bucht im schwachen Nebelchen erkennen. Das beste Ergebnis hatte ich mit meinem 20mm TS SWM Okular und den damit erreichten 4mm Austrittspupille.

Zum einen war ich schon froh, dass man etwas erkennen konnte, aber an die Beobachtung die ich mit dem 16" f/4,5 von Hubertus in Erinnerung habe, kam das bei weitem nicht heran. Klar, ein 12"er sammelt natürlich weniger Licht und ein H-Beta Objekt kann man auch nicht gerade als Leuchtturm beschreiben. Aber irgendwie happy war ich mit meinem ersten Beobachtungsabend mit diesem neuen Filter nicht.

Günther Mootz hatte mir schon während ich noch auf die Lieferung meines Filters wartete zugesagt, dass er mir seinen H-Beta Filter von 1000 OAKS zum Vergleich schicken wollte. Dieses Angebot nahm ich gern an und am vergangenen Donnerstag Abend konnte ich wieder zum visuellen Testen raus gehen. Gegen 0.00 Uhr baute ich meinen Dobson in unserer heimischen Einfahrt auf, knipste die Straßenlaterne aus und bereitete den Test vor. Leider besitze ich noch keinen Filterschieber, aber mir kam die Idee einfach zwei 2"-auf-1,25"-Adapter zu nehmen, je einen davon mit je einem H-Beta Filter und einem 26mm Plössl meines Binoansatzes auszustatten. Damit bin ich zwar beim hin und her tauschen nicht ganz so schnell wie mit einem Filterschieber, aber immer noch um ein vielfaches schneller, als ständig die Filter umschrauben zu müssen.

Gute zwei Stunden habe ich mir Zeit genommen, um den Pferdekopfnebel und den dahinter liegenden Emissionsnebel IC434 mit beiden Filtern im Wechsel zu beobachten. Mit den 26mm Okularen komme ich am 12"er auf eine AP von 5,2mm. Zwischendurch wechselte ich auf mein 20mm TS SWM um die 4mm AP zu bekommen, was schon ein etwas besseres Bild ergab.

Letztendlich zeigte sich aber in allen Vergrößerungen und damit erreichten APs sehr deutlich, dass der 1000 OAKS H-Beta Filter ganz klar die Nase vorn hat. Er schien deutlich enger im Transmissionsbereich zu sein als mein neuer ES H-Beta Filter, wodurch der Kontrast zum Himmelshintergrund deutlich verbessert wurde. Natürlich waren im Gesichtsfeld mit dem 1000 OAKS Filter auch weniger Sterne zu sehen - die ganz schwachen Sterne, die ich im ES H-Beta noch sehen konnte, waren im 1000 OAKS nicht mehr zu erkennen. Aber ich will ja mit einem H-Beta Filter auch keine Sterne beobachten, sondern die zarten Schleier der im H-Beta Spektrum empfindlichen galaktischen Nebel.

Während man im ES H-Beta schon sehr konzentriert beobachten musste, um den Pferdekopf vor IC434 ausmachen zu können, war das im 1000 OAKS H-Beta Filter überhaupt kein Problem. Auch die Abgrenzung der Nebelmasse zum umgebenden Weltall war viel deutlicher und uch innerhalb der zarten Nebelbank waren Strukturen in Form von leichten Verdickungen erkennbar. Im ES H-Beta war das Erkennen der Nebelgrenzen hingegen eher ein Raten anstatt ein gesichertes Erkennen. Das Bisschen Nebelmasse das in diesem Filter erkennbar war, war auch recht grisselig, während der Nebel im 1000 OAKS H-Beta bei gleicher AP richtig schön flächig homogen zu sehen war. Ein wesentlich schönerer und detailreicherer Anblick.

Selbst im 31ger Nagler bei 6,2mm AP, wo dann auch der grelle Alnitak locker mit im Gesichtsfeld liegt und seine Photonen gnadenlos auf den Beobachter loslässt, war der Nebel im 1000 OAKS noch immer recht gut zu erkennen, auch die Ausbuchtung des Pferdekopfnebels.

Übrigens war aber auch im 1000 OAKS H-Beta Filter die Schnauze des Pferdekopfes nicht auszumachen. Lediglich eine dunkle Bucht war im Emissionsnebel IC434 an der Stelle auszumachen, an der der Pferdekopf liegt. Diese aber war zumindest im 1000 OAKS sehr deutlich und unübersehbar zu erkennen. Vielleicht geht die Schnauze aber, bei bessere Bedingungen an einem noch dunkleren Ort. Wobei die Grenzgrösse an dem Abend in etwa bei 6mag (in UMi) gelegen haben dürfte.

Gleiche Erkenntnisse musste ich im Anschluss noch an NGC1499, dem Californianebel, gewinnen. Auch hier war die Beobachtung des Nebels mit zarten Verdickungen im 1000 OAKS ein Genuss, wohingegen das Erkennen des Nebels und das Abgrenzen Desselben zum Hintergrund im ES H-Beta wieder eher einem Rätselraten glich.

Die Enttäuschung war recht groß, als ich gegen 2.30Uhr das Scope wieder abbaute und zu Bett ging, nur knappe 3 Stunden, bevor der Wecker wieder gnadenlos zur Arbeit blies ...


Der Check mit dem Spektroskop:

Der visuelle Test reichte eigentlich völlig aus um mich davon zu überzeugen, dass der Explore Scientific H-Beta Filter zwar prinzipiell funktioniert - er sperrt ja zumindest die H-Beta-Wellenlänge nicht komplett - er aber qualitativ doch um Längen hinter einem 1000 OAKS H-Beta zurückliegt. Dennoch wollte ich mir zusätzlich auch noch einen Eindruck davon verschaffen, wie die Filter sich im Vergleich im AstroMedia Handspektroskop machen. Für diesen Vergleich konnte ich mir am vergangenen Sonntag sogar noch einen weiteren H-Beta Filter ausleihen. Hubertus hatte organisiert, dass ich mir seinen ICS H-Beta Filter aus seiner Sternwarte holen konnte. Der Filter, mit dem ich an seinem 16"er so schöne Beobachtungen des Pferdekopfnebel machen konnte.

In der Vergangenheit war mir schonmal aufgefallen, dass man die Filter in einem ziemlich exakten 90°-Winkel vor das Handspektroskop halten muss, da sich ansonsten der Durchlassbereich ganz leicht auf der Skala verschiebt. Aus diesem Grund habe ich mir folgenden Aufbau zusammengebastelt:



Rechts im Bild ist meine auf dem Fotostativ montierte EOS1000D zu sehen, die mit dem Zoomobjektiv (mit eingestellter Brennweite von 55mm) ins AstroMedia Handspektroskop schaut. Dieses habe ich auf einer Holzkonstruktion montiert, wo am anderen Ende ein 2"-auf-1,25"-Adapter im Rechten Winkel zum Lichteintritt (Spalt) des Spektroskops montiert ist, in den ich die Filter für die "Messung" einschrauben kann. Das Handspektroskop selbst ist hierbei mit Nägeln in der optimalen Lage zum Adapter montiert. Links im Bild sieht man dann noch meine mattweiße Nachttischlampe in die ich zur Bestimmung der Abweichung der Meßskala des Handspektroskops eine Energiesparlampe mit bekannten und echt gemessenen Spektren eingeschraubt hatte, zum "Vermessen" der Filter dann aber eine 40W Glühlampe, die ja ihr Licht über das volle sichtbare Spektrum abstrahlt.

Da die Skala des Spektroskops und das angezeigte Spektrum leider nicht genau den gleichen Fokus besitzen, habe ich an der Kamera die kleinstmögliche Blende (f/32) gewählt, was bei ISO100 dann auch zur Folge hatte, dass ich für das Glühlampenspektrum und die Filterspektren jeweils 30 Sekunden belichten musste.

Hier nun das Ergebnis:



Oben ist das Spektrum der Energiesparlampe zu sehen. An ein paar der Peaks habe ich die bekannten "echten" Labormessergebnisse drangeschrieben, womit man sehen kann, wie groß die Abweichung der Skala meines Handspektroskops ausfällt. Darunter dann erst noch das Vollspektrum der Glühlampe, die ich zum "Vermessen" der Filter genutzt habe, bevor die drei Filterspektren abgebildet sind, die ich mit dem oben gezeigten Aufbau erstellen konnte.

Deutlich ist schon auf dem ersten Blick zu erkennen, wie breit der Transmissionsbereich des Explore Scientific H-Beta Filters im Vergleich zu den beiden anderen H-Beta Filtern ist. Beim 1000 OAKS Filter fällt zusätzlich noch auf, dass dieser im roten Bereich noch zwei Peaks durchlässt, was sicher nicht gewünscht ist, die Beobachtungsqualität aber auch in keiner Weise zu mindern scheint. Leider steht ein visueller Vergleich des 1000 OAKS mit dem ICS H-Beta Filter noch aus. Da bin ich aber auch schon gespannt darauf.

Mittels Fitswork und der Funktion "Pixellinie als Diagramm anzeigen", wozu die abfotografierten Spektren erst noch der Farbe beraubt werden müssen, konnte ich auch noch folgende Transmissionskurven erstellen, die natürlich nicht dazu herhalten können eine echte Messung unter Laborbedingungen zu ersetzen, aber trotzdem noch etwas mehr Aufschluss bringen.

Erstmal habe ich damit versucht die Differenz zwischen realen Werten der Energiesparlampe und der Skala meines AstroMedia Handspektrometers zu ermitteln. Das sieht dann so aus ...



Die auf der x-Achse von mir nachträglich eingetragenen Skalenwerte entsprechen dabei der Skala meines Handspektroskops. Die Zahlwerte der y-Achse sind irgendwelche Werte, die Fitswork in die Skala einträgt. Interessant ist es aber trotzdem, die Höhe der y-Werte (=Transmission) bei den Filterkurven zu vergleichen. Denn die Kurven sind mit den gleichen Einstellungen erstellt worden und die Einstellungen der Kamera waren ja auch bei jeder Aufnahme identisch - ausgenommen das Foto des Energiesparlampenspektrums.

Nachfolgend also der Vergleich der mit Fitswork erstellten Transmissionskurven:



Auch hier zeigt sich sehr deutlich, wie breit der Explore Scientific Filter im Vergleich zu den beiden anderen, viel härteren H-Beta Filtern ist. Auch kann man erkennen, dass der ICS H-Beta Filter noch einen kleinen Tacken enger im Transmissionsbereich zu sein scheint.

Was mich dann aber doch etwas verblüfft hat war, dass die beiden H-Beta Filter von 1000 OAKS und Baader die H-Beta Linie scheinbar nicht perfekt getroffen haben. Wenn das so stimmen würde, wie ich es ermittelt habe, würde das bedeuten, dass die Transmission des Explore Scientific H-Beta Filters auf der H-Beta Linie ja sogar etwas höher liegen würde. Der visuelle Eindruck war jedenfalls ein anderer. Aber es könnte ja schon sein, das hier die "Enge" des Transmissionsbereichs und damit der sich daraus ergebende höhere Kontrast eine größere Rolle spielt, als die Transmission auf der gewünschten Wellenlänge des H-Beta Bereichs.

Ich betone aber auch nochmal, dass meine "Messungen" (ich habe das Wort die ganze Zeit immer bewusst in Anführungszeichen gesetzt) sicher keine Laboruntersuchungen ersetzen können, meine aber, dass eine Untersuchung mit dem günstigen Handspektroskop in Verbindung mit der Fotografie und der elektronischen Bildbearbeitung für uns Hobbyspechtler eine absolut ausreichende Erkenntnis bringt.

Letztendlich zählt für uns visuelle Spechtler natürlich nur der visuelle Eindruck und der war gerade im Vergleich mit dem 1000 OAKS H-Beta Filter schon sehr ernüchternd. Aber eine spektrale Analyse mit einfachen "Hausmittelchen" kann natürlich die unterm Sternenhimmel gemachte Erkenntnis noch zusätzlich untermauern.

Was wird das Ergebnis für mich nun sein? Klar, der Filter geht zurück. Ich kann nicht beurteilen, ob hier bei dem mir gelieferten Explore Scientific H-Beta Filter eine Serienstreuung mit einem fehlerhaften Filterergebnis vorliegt. Aber wenn es sich hierbei wirklich um einen handselektierten Filter handelt, wie mir zugesagt wurde, dann möchte ich die anderen Filter garnicht erst ausprobieren.

Last but not least möchte ich mich hier noch bei Günther und Hubertus für das Zur-Verfügung-stellen ihrer H-Beta Filter für den Vergleichstest bedanken. Vielen Dank Jungs! ThumpUp

So, hat einer bis zum Schluß durchgehalten? BigGrin

Gruß und klaren H-Beta Himmel
Heiko
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12" Lightbridge Dobson, 6" f/5 Newton auf LXD-75, 5" f/11,8 Maksutov, 4" f/4 Kugeldobson, 3" f/9,2 Dobson, 70/700 SkyZebra FH auf Astro-3, 60/900 FH auf EQ-1, Coronado PST auf EQ-2, 30-60x60 Spektiv, 20x80 Triplet FG, 16x80 FG, 10-30x60 FG, 10x50 FG, 7x50 FG, 7x35 FG, EOS 1000D
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Pipo Offline
#2 Geschrieben : Mittwoch, 11. Dezember 2013 23:51:49(UTC)


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Moin Heiko,


Hmmm. Handselektiert, da war doch was, da war doch was.....meine ich kürzlich im Forum gelesen zu haben.

EDIT: Benny war 32,5 Sekunden schneller als ich.

Vielleicht sollte man lieber das Auge dazu nehmen.

Aber mal im Ernst, dass ein Händler nicht alle Teile einzeln untersuchen kann oder will ist klar. Aber dann darf er dieses Prädikat für das Produkt auch nicht ausrufen.

Es ist schon enorm, was man mit einfachen Mitteln für Untersuchungen anstellen kann, wenn man sich die Zeit dafür nimmt.

War auf jeden Fall sehr lehrreich für mich.

Viele Grüße

Pipo
Man darf ruhig dumm sein. Man muss sich nur zu helfen wissen.
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Zeusway Offline
#3 Geschrieben : Donnerstag, 12. Dezember 2013 02:00:04(UTC)


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Hallo Heiko

sehr schöner "Einzel"BigGrin Test war auch sehr gut zu lesen und aufschlussreich.
was mich noch interessieren würde das beiliegende Test Protokoll von ES.
ist es vergleichbar mit deine Messungen oder ist da ne ganz andere Kurve zu sehn ?

Gruß

Christian
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woddy Offline
#4 Geschrieben : Donnerstag, 12. Dezember 2013 07:32:08(UTC)


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Moin Heiko
Man da haste dir aber eine Arbeit gemacht.Blink
Sehr interessanter Test.
Ich hatte auch schon einmal die Möglichkeit einen H-Beta Filter zu testen.
Der Chris (Astrobart) hatte ihn mir mal geliehen.
Ja das war schon sehr finster im Okular.
Ich denke das diese Filter schon sehr Speziell sind und nur bei wirklich guten Bedingungen
ihr Potential zeigen können.
Das der ES-Filter in der Bandbreite nicht so eng ist kann auch
dem Preis geschuldet sein.
Hochwertige Filter liegen da wesentlich höher.
Interessant wäre sicherlich was Christian schon angefragt hat.
Der Vergleich Messprotokoll von ES zu deinen Messungen.
Auf jeden Fall finde ich es einen Gelungen
Filtertest mit doch sehr einfachen Mitteln.
Schöne Ausarbeitung !
mfG
Andreas
Benny Offline
#5 Geschrieben : Donnerstag, 12. Dezember 2013 07:38:42(UTC)


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Guten Abend Heiko,

ich danke dir schon mal kurz vom Bett aus für den mehr als ausführlichen Bericht! Werde morgen nochmal genauer auf deinen Marathon eingehen, in jedem Fall gibst du zu denken und bewahrst sicher den ein oder anderen (mich) vor einen vorschnellem Kauf.

Zitat:
mir zugesagt hat, einen handselektierten Filter für mich rauszusuchen,


DAS möchte ich NIE wieder lesen! BigGrin

Update (Ich tippe jetzt keine neue Antwort)

Nunja das ist in der Tat ernüchternd, vor allem die Breite, die ja ausgerechnet bei H-Beta möglichst eng sein sollte (wenn ich das korrekt verstanden habe), das sind ja immerhin alles Objekte die nicht im Vorbeigehen zu sehen sind, es sei denn der Himmel wäre über alle Maßen gut, dann hörte man ja sogar schon von Erfolgen ohne Filter. Ein zweites Prüfprotokoll müsste doch sicher irgendwo aufzutreiben sein, der Filter wurde sicher schon einige Male gekauft. Nach dem ich die Filtergeschichte des [OIII] etwas im Nachbarforum verfolgt habe (den habe ich ja selbst schon bei Jan gesehen, hat mir durchaus gut gefallen war aber auch recht breit - zumindest im Vergleich zum Baader), war die Streuung zwar vorhanden aber kein K.O. Kritierium - man könnte jetzt also spekulieren ob sie alle so breit sind.

Das mit dem "handselektierten" ...*hüstel* das weisst du ja selber, solange nicht dein Schwager bei ES arbeitet würde ich da mal nichts drauf geben Wink

Deine visuellen Schilderungen sind am Ende ohnehin sehr viel wertvoller als jedes Durchleuchten - und da kommt er ja nun nicht sonderlich gut weg, wenn er auch kein Totalversager zu sein scheint. Ich für meinen Teil kann da nur sagen: Ich werde mir einen anderen kaufen wenn der Filter an der Reihe ist - für schwache Leistung ist auch der ES noch zu teuer. Danke dir für den wirklich ausführlichen Test, und auch an Günther für die Unterstützung mit Material :)

Viele
Benny
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Mootz GMS Offline
#6 Geschrieben : Donnerstag, 12. Dezember 2013 10:13:01(UTC)


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Hallo Heiko,

sehr schöner und aussagekräftiger Test, für zwei der Filter schon mit Beobachtungen belegt und die Beobachtung steht ja nun mal im Vordergrund.
Deine Beobachtungen erklären sich allein schon aus dem, was die Bilder mit den Astromedia-Spektroskop absolut beweiskräftig zeigen können. Bei aller Ungenauigkeit der Skalierung und Messung fällt der sehr breite Durchlass des ES-Filters auf.
Mit diesem Filter wird es an reinen H-Beta Objekten nur unter bestem Himmel und mit großen Öffnungen was, für Mischobjekte mit hohen O II Anteilen kann er recht interessant sein, aber da gibts dann auch O III und UHC.
Beim Thousant Oaks stört der zusätzliche Durchlass im Tiefroten visuell nicht, da sind wir so gut wie blind. Ob das eventuell fotografisch was bringt, dazu müssten Fotofreaks was sagen können.

Interessant wird sein, ob der geringfügig engere Durchlass des Astronomic (ICS) nochmal einen signifikant sichtbaren Unterschied macht.
Enge Bandbreite Streu-/Störlichtunterdrückung bei gleichzeitigem Treffen der Linie mit guter Transmission ist einfach ALLES.
Bis das geklärt ist, verzichte ich gerne auf meinen Filter.Cool

Gruß
Günther
Überprüft, was immer auch geschrieben steht,
wenn selbst durchs Teleskop Ihr seht.
Das mehrt die eigene Erfahrung
und bringt so manche Offenbarung.
Des Astronomen wahre Freude
ist schließlich die Photonenbeute.
JoernLenhardt Offline
#7 Geschrieben : Donnerstag, 19. Dezember 2013 00:15:40(UTC)


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Hallo Heiko,

vielen Dank für den ausführlichen Test der verschiedenen Filter. Das Ergebnis ist leider etwas ernüchternd, so das du nur kurzzeitig einen h-beta Filter als dein Eigen nennen konntest. Aber ich denke, die Entscheidung ist voll und ganz nachvollziehbar. Die Erwartungen an diesen Filter sind - wenn man bereits einen Vergleich bei einem Kollegen hatte - doch schon gefestigt sowie begründet. Und beim visuellen Vergleich haben sich so manche Schwächen nicht mehr wegdiskutieren lassen.

Zitat:
Was mich dann aber doch etwas verblüfft hat war, dass die beiden H-Beta Filter von 1000 OAKS und Baader die H-Beta Linie scheinbar nicht perfekt getroffen haben.

Das hat mich auch ziemlich verwundert, so das ich mir hier ein Paar Gedanken gemacht hab...

Das von die gezeigte Bild des Spektroskops mit den 5 Spektren hab ich mir mal hergenommen, um ein wenig damit herumzuspielen. Zuerst hab ich das bunte Bild in ein Grau-Bild gewandelt. Im Anschluss hab ich mir die relevanten Teile der 5 Spektren in X-Richtung mit einer Höhe von 6 Pixel ausgeschnitten. Für mich relevant waren erst mal nur die Helligkeitswerte (deshalb ein Grau-Bild) der Pixel in X-Richtung, die ich in Y-Richtung aufsummiere, um einen guten Mittelwert der Helligkeit zu bekommen.

Diese so ermittelten Helligkeiten der beiden Spektren der Ralux-Lampe und der Glühbirne benutze ich als Referenzspektren. Mit der Ralux-Lampe bestimme ich die Abhängigkeit der Wellenlänge von der Pixelposition in X-Richtung, d.h. ich erstelle eine neue, vom Handspektrometer unabhängige Skala. Dies mache ich, weil ich davon ausgehe, das der Skala des Handspektrometers nicht exakt zu trauen ist. Dabei gehe ich also von sowohl einer Verschiebung als auch einer Stauchung/Streckung der Skala aus, die ich so neu bestimme. Nach dem Ablesen der Pixelpositionen für die Maxima bei 435.85nm, 545.98nm und 611.43nn erstelle ich über eine lineare Regression (Best-Fit-Gerade) meine neue X-Achse. Da die 5 Spektren alle übereinander die gleiche Ausdehnung haben, kann ich diese neue X-Achse für alle Einzel-Spektren heranziehen.

Das Spektrum der Glühbirne benutze ich als neue 100%-Linie. Dieses Licht, in Abhängigkeit der Wellenlänge, ist das maximal mögliche, was nach dem Filter herauskommen kann.

Die beiden Spektren, umgerechnet auf die neue X-Achse und normiert auf die maximale Helligkeit des jeweiligen Spektrums, sind hier dargestellt:


Die rote Linie stellt das Spektrum der Ralux-Lampe dar. Deutlich sind die markanten Peaks zu sehen. Blau ist das Spektrum der Glühbirne eingezeichnet. Als Vorbereitung sind senkrecht gestrichelt die Wellenlängen der h-beta Linie (486.1nm, blau) und der [O-III]-Linie (495.9nm und 500.7nm, grün) dargestellt.

Die drei Spektren der Filter (ES, 1000 Oaks und ISC) korrigiere ich nun um die Helligkeitswerte der Glühbirne. Genauer gesagt, ich dividiere jeden Helligkeitswert des Filter-Spektrums durch den korrespondierenden Helligkeitswert des Glühbirnen-Spektrums, um die Transmission der Filter herauszubekommen. Die entsprechenden Grafiken (Filtertransmissionen) sehen dann so aus:


Die Transmissionskurve des ES-Filters ist rot, die des 1000 Oaks-Filters ist blau und die des ICS-Filters ist grün aufgetragen. Auch hier sind die h-beta als auch die beiden [O-III]-Linien eingezeichnet.

Den relevanten Bereich zwischen 450nm und 550nm etwas vergrößert dargestellt ergibt:


Deutlich zu sehen ist, das die Breite der beiden 1000 Oaks- und ICS-Filter deutlich schmaler ist als die des ES-Filters (geschätzt ca. 10nm zu 25nm).
Auch das "Treffen" der h-beta-Line dieser beiden Filter sieht - mit der neuen X-Achse - deutlich besser aus (der eigentliche Grund meiner Gedankengänge). Die Transmission ist ziemlich am Maximum bei der h-beta-Linie. Aber auch der ES-Filter läßt noch ordentlich das Licht der h-beta-Linie durch, aber nicht so viel wie die beiden Vergleichsfilter.

Während die beiden Vergleichsfilter aber einen schmalen Durchlassbereich haben, ist der ES-Filter viel breiter. Der ES-Filter läßt noch ordentlich Licht der [O-III]-Linien durch, wohingegen die Vergleichsfilter diese beiden Linien so gut wie gar nicht mehr passieren lassen. Berücksichtigt man nun noch die Empfindlichkeit des Auges, welches im Bereich der [O-III]-Linien viel stärker ist als im Bereich der h-beta-Linie, so wird auch klar, das dein visueller Vergleich entsprechend ernüchternd ausgefallen ist.

Das wars eigentlich, was ich zu deinem ausführlichen Test noch erwähnen wollte...

Gruß aus der Pfalz
So, genug geschrieben
Gruß Jörn
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Mootz GMS Offline
#8 Geschrieben : Donnerstag, 19. Dezember 2013 18:24:00(UTC)


Rang: Spechtelrentner
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Hallo Joern,

das hast Du prima gemacht, sehr anschaulich.Cool
Endlich sieht man mal genauer was los ist. So wie die letzte Darstellung sollten alle Spektren (soweit herstellerseitig geliefert) aufgetragen werden, dann sind sie auch aussagekräftig.
Sieht natürlich dann ziemlich breit aus und die Leute stehen ja auf geglättete, spitze Kegel (auf zu enger Skalierung), weil es immer heißt, je enger, desto besser.

dass die Skalen unserer Astromedias nicht genau stimmen war Heiko und mir schon klar, meine Skala ist genau zur anderen Seite leicht daneben.
Danke nochmals fürs "Ausrichten", das hilft mir auch und gibt Sicherheit.
Gut, der ES ist deutlich zu breit und auch noch nach O III verschoben, die beiden anderen Filter passen gut.
Nun sieht man, dass der Astronomik und der TO sich von der Breite her kaum was schenken.
Der Astronomik wird nur "am Fuß" minimal breiter, dafür liegt er mit der Transmission auf der Linie etwas besser und ist oben etwas schmaler.
Ich will diese kleinen Unterschiede, schon allen wegen der Methode der Messung nicht überbewerten, aber Heiko könnte am Objekt durchaus erleben, dass der Astronomik nochmal ein wenig besser ist als der TO.

Gruß
Günther
Überprüft, was immer auch geschrieben steht,
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Hico Offline
#9 Geschrieben : Montag, 23. Dezember 2013 18:58:52(UTC)


Rang: Spechtelrentner
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Hallo Jörn,

vielen Dank für Deine Mühen. Gut dass Du so aufklären konntest, dass der 1000 Oaks und der ICS H-Beta die H-Beta Linie doch gut treffen. Dass die Skala eventuell noch gestreckt oder gestaucht werden müsste habe ich bei meinen Grafiken nicht berücksichtig. Leider weiss ich auch nicht, wie man das machen kann. Dass Du den Abgleich über die Referenzwellenlängen der Energiesparlampe erstellt hast ist aber klar geworden.

Ich habe in der Zwischenzeit noch zwei ES H-Beta Filter bekommen, die ich in den nächsten Tagen auch noch mit dem Astromedia Handspektroskop begutachten und am Teleskop einem Beobachtungstest unterziehen will.

Gruss
Heiko
www.Heiko-schaut-ins-All.de

12" Lightbridge Dobson, 6" f/5 Newton auf LXD-75, 5" f/11,8 Maksutov, 4" f/4 Kugeldobson, 3" f/9,2 Dobson, 70/700 SkyZebra FH auf Astro-3, 60/900 FH auf EQ-1, Coronado PST auf EQ-2, 30-60x60 Spektiv, 20x80 Triplet FG, 16x80 FG, 10-30x60 FG, 10x50 FG, 7x50 FG, 7x35 FG, EOS 1000D
Hico Offline
#10 Geschrieben : Mittwoch, 26. März 2014 22:50:15(UTC)


Rang: Spechtelrentner
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Wohnort: Korbach
Hallo Freunde der Nacht,

über 3 Monate ist es nun her, als ich diesen Thread mit der Vorstellung und dem Test des neu auf den Markt gekommenen Explore Scientific H-Beta-Filters gestartet habe und heute endlich, will ich euch den krönenden Abschluß präsentieren.

Wie ich ja damals schon geschrieben hatte, bekam ich von Hubertus noch einen H-Beta-Filter von ICS für meinen Vergleichstest und von meiner Bresser/Meade-Lieblingsmitarbeiterin Anke Morbitzer Cool bekam ich noch einen zweiten ES H-Beta-Filter und ... tata ... das Vorserienmodell dieses ES-Filters.

Einige Wochen gingen ins Land, bis ich am vergangenen Montag Abend endlich meinen visuellen Vergleichstest machen konnte. Meine "Laboruntersuchungen" mit meinem Astromedia Handspektroskop hatte ich bereits Ende Dezember machen können.

Der visuelle Vergleichstest von 5 H-Beta-Filtern

Für den visuellen Check bin ich am Montag gegen 20.30 Uhr an meinen BeoPlatz gefahren, wo ich einen knapp 6mag-Himmel vorfand. Die Bedigungen waren also nicht perfekt, sollten aber über den visuellen H-Beta-Test ausreichend sein.

Das erste Objekt sollte wieder IC434 im Orion sein, die licht emittierende Nebelbank, die hinter dem Pferdekopf(Dunkel)nebel B33 liegend diesen zum Vorschein bringt. Als Teleskop diente wieder meine 12" f/5 Lightbridge, an der ich abwechselnd zwei 26er Plössl mit je einem 2"-auf-1,25"-Adapter und je einem eingeschraubten H-Beta-Filter im A-B-Vergleich zum Einsatz brachte. Damit ergibt sich eine AP von 5,2mm. Das Tauschen der beiden mit Okular und Filter vorbereiteten OAZ-Adapter geht zwar nicht so schnell wie der Tausch der Filter mittels eines Filterschiebers, da ich einen solchen aber noch immer nicht besitze, ist die OAZ-Adpter-Tauschvariante doch deutlich komfortabler und schneller, als jedes Mal die Filter rein- und rausschrauben zu müssen.

Zuerst schraubte ich in beide OAZ-Adapter die beiden ES-Serienfilter und versuchte damit den Pferdekopfnebel zu erhaschen. Aber selbst "nur" die Nebelbank IC434 wollte sich an dem Abend nicht so richtig zeigen. Es war mehr ein Erahnen als ein sicheres Sehen dieses Nebels und die visuelle Sichtung der Ausbuchtung des Pferdekopfes war ein regelrechtes raten.

Also wechselte ich einen der beiden ES-Serienfilter gegen den 1000 OAKS Filter aus, um damit die sichere Position des Pferdekopfes dingfest zu machen. Das gelang auch prompt. Die Nebelbank zeigte sich nach ein paar Sekunden recht deutlich und auch der Pferdekopf ließ sich nicht lange bitten. Der Wechsel auf den ES-Serienfilter zeigte sehr deutlich, dass hier Kontrast fehlt. Nun wo ich dank des 1000 OAKS Filters sicher war, wo genau der Pferdekopf zu finden ist, konnte ich ihn blickweise auch in dem ES-Serienfilter ausmachen. Aber nicht dauerhaft und auch nur sehr sehr grenzwertig. Die Nebelmasse vom IC434 wollte sich einfach nicht deutlich vom Himmelshintergrund separieren lassen.

Im Anschluss tauschte ich den 1000 OAKS wieder gegen den zweiten ES-Serienfilter. Bei mehrmaligem hin und hertauschen der beiden Filter fiel es mir schwer zu sagen, welcher der beiden Filter mehr Nebel erkennen lies, bzw. mit welchem der beiden Filter ich den Pferdekopf besser und sicherer erkennen konnte. Das erkennen der Nebelgrenzen blieb an IC434 in beiden Filtern eher ein Raten als ein sicheres Erkennen.

Dann kam der ICS-H-Beta Filter von Hubertus zum Einsatz. In der bereits von mir veröffentlichten Handspektroskopauswertung von Mitte Dezember des vergangenen Jahres zeigte sich ja, dass dieser Filter nochmals ganz minimal enger zu sein scheint, als der 1000 OAKS H-Beta. Visuell konnte ich aber keinen Unterschied zwischen diesen beiden Filtern feststellen. Es "könnte sein", dass der ICS noch ein klein bisschen mehr Sternenlicht schluckt, aber wirklich sicher sagen kann ich das nicht. Die Erkennung des IC 434 Emissionsnebels und des Pferdekopfnebels gelingt mit beiden Filtern gleich gut. Sehr schön ist in beiden die helle östliche Nebelkante zu sehen und das Schwächerwerden des Nebels in westliche Richtung.

Zum Vergleich musste dann noch das Vorserienmodell des ES-Filters herhalten. Und wie mir mein Handspekroskoptest schon Wochen zuvor gezeigt hatte, bestätigte nun auch der visuelle Test, dass das Vorserienmodell nichts mit den nun in Serie gefertigten Modellen zu tun hat. Das Vorserienmodell zeigte nämlich schon im Spektroskop, dass der Duchlassbereich deutlich kleiner ist, was sich ebenso deutlich auf den Kontrast auswirkt. Im visuellen Vergleich mit den anderen Filtern zeigte sich, dass dieser Filter im Kontrast zwischen den 1000 OAKS und dem ICS Filter auf der einen Seite und den beiden ES-Serienfiltern auf der anderen Seite liegt. Auch mit diesem Filter war es mir möglich die helle östliche Kante des IC434 wie auch die Ausbuchtung des Pferdekopfs zweifelsfrei zu erkennen, allerdings nicht so deutlich, wie es mit dem 1000 OAKS und dem ICS Filter möglich war.

Da der Orion mitlerweile schon recht tief im Westen stand, wählte ich für einen weiteren Vergleich noch den höher stehenden Californianebel im Sternbild Perseus aus. Hier bestätigte sich nochmals sehr deutlich, was ich zuvor am IC434 bereits festgestellt hatte. Durch das wesentlich bessere Kontrastverhalten des 1000 OAKS und des ICS Filters machte die Beobachtung des Nebels mit diesen Filtern wesentlich mehr Freude als mit den ES-Serienfiltern. Mit diesen konnt ich zwar die nördliche Kante des riesigen Nebels auch noch erkennen, wie auch noch gerade so die südliche, dem Stern Menkib gegenüberliegende Seite. Die schwächer leuchtende Nebelmasse konnte sich hingegen gegen den Himmelshintergrund nicht mehr richtig abheben. Den Nebel vom Himmelshintergrund abzugrenzen wurde auch hier wieder zum Ratespiel. Mit dem Vorserienmodell der ES-Filter ging dies dank des besseren Kontrasts schon besser, aber noch nicht so gut, wie mit den H-Beta Filtern von 1000 OAKS und ICS. Mit diesen ließen sich mit etwas Geduld dann auch noch schwache fast faserige Strukturen im Nebel ausmachen.

Was mir an IC434 nicht gelang, nämlich sicher zu beurteilen, ob einer der beiden Serienfilter von ES visuell besser funktionieren würde als der andere, klappte dann mit ein wenig hin- und herwechseln der Filter und der Beobachtung der nördlichen Nebelkante. Der Filter mit der Seriennummer 0669, den ich von Anke zum Vergleich noch zugeschickt bekam, konnte diese Nebelkante ein klitze kleines bisschen deutlicher darstellen. Schaue ich mir das nachfolgende spektroskopierte Ergebnis an, dann komme ich zu dem Schluß, dass das nicht am Kontrast liegen kann, sondern daran, dass dieser Filter die H-Beta-Linie besser trifft und dadurch hier eine höhere Transmission hat, als der Filter mit der Seriennummer 0694, den ich Anfang Dezember 2013 bei ES als angeblich handselektiertes Exemplar gekauft hatte.


Der Vergleich im Handspektroskop

Diesen konnte ich bereits Ende Dezember des vergangenen Jahres durchführen. Nachfolgend die Fotos, die ich wieder mit meiner EOS1000D an meinem Astromedia Handspektroskop schießen konnte. Auch hier weise ich nochmals darauf hin, dass die Skala meines Handspektroskops gegenüber realen Meßwerten verschoben ist.



Schon hier zeigt sich, wie verschieden die Filter in der Charakteristik sind. Sehr deutlich ist hier auch schon zu sehen, dass der ES-Serienfilter mit der Seriennummer 0669 besser auf der H-Beta-Linie liegt, als der Serienfilter mit der Nummer 0694.

Wie auch bei meinem ersten Vergleichstest, hat Jörn Lenhardt aus dieser fotografischen Auswertung wieder eine Kennlinie gebastelt, die auch die Skalenverschiebung meines Handspektroskops ausgleicht und somit recht genaue Werte zeigt, zumindest was die Wellenlänge angeht. Aber auch die Transmission, also die Höhe des Durchlasses, sollte hinreichend genau Aufschluß über die unterschiedlichen Filtercharakteristiken geben. Die 100% Durchlass beziehen sich auf die Messung der Lichtquelle (Glühlampe) ohne Filter. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Jörn. ThumpUp



Die senkrechte lilafarbene Linie zeigt hier die H-Beta-Linie, die bei 486nm Wellenlänge liegt. Die beiden hellblauen Linie zeigen die beiden OIII Linien bei 496 und 501nm.

Der besseren Übersichtlichkeit zeige ich hier nur den für H-Beta relevanten Ausschnitt. Im restlichen Spektrum verhalten sich die 5 Filter sehr ähnlich. Sie blocken die restlichen Wellenlängen des sichtbaren Spektrums recht gut, mit Ausnahme des 1000 OAKS H-Beta Filters, der im roten Bereich bei ca. 630nm und bei ca. 660nm noch zwei Durchlassspitzen hat, die sich aber visuell nicht auswirken, wie der Vergleich mit dem ICS Filter zeigte, der diese Peaks nicht hat.

Abschließend und zusammenfassend könnte man nun vielleicht meinen: "You get what you pay for." Das kann ich so aber beim besten Willen nicht stehen lassn. Die knapp 100,- € sind zwar nur die Hälfte von dem, was man für einen hochwertigen H-Beta Filter hinblättern muss. Das was mit diesen Serienfiltern von ES aber zu sehen ist, ist meiner Meinung aber nicht mal 50,-€ Wert. Beobachtungen in H-Beta sind grundsätzlich schon recht schwierig, da die in Frage kommenden Objekte für das menschliche Auge schon sehr lichtschwach sind. Umso wichtiger ist es hier, gutes Hilfswerkzeug für eine sichere und erfolgversprechende Beobachtung zu besitzen.

Dabei kommt es ganz offensichtlich nicht nur darauf an, dass der Filter die H-Beta-Linie perfekt trifft, sondern auch, dass er möglichst engbandig ist, um einen guten Kontrast zum Himmelshintergrund herstellen zu können. Diese beiden Kriterien entscheiden nur in Summe darüber, wie gut das Beobachtungsergebnis ausfällt. Hier geht es schon bei kleinen Abweichungen wirklich um sehen oder nicht (sicher) sehen.


Mir hat dieser Test sehr viel gezeigt und ich hoffe, dass ich euch das hier auch verständlich rüberbringen konnte.

Zu guter Letzt an dieser Stelle auch nochmals vielen Dank an Günther und Hubertus für das zur Verfügung stellen eurer H-Beta Filter. ThumpUp Ihr habt da beide ganz feine Filterchen am Start, um erfolgreich IC434 und Kollegen zu beobachten. Cool Danke auch an Anke von Bresser für das zur Verfügung stellen des Vorserien- und des zweiten ES-Serienfilters! Schade, dass der Test so ernüchternd für Explore Scientific ausgeht ...

Gruß und klaren Himmel
Heiko
www.Heiko-schaut-ins-All.de

12" Lightbridge Dobson, 6" f/5 Newton auf LXD-75, 5" f/11,8 Maksutov, 4" f/4 Kugeldobson, 3" f/9,2 Dobson, 70/700 SkyZebra FH auf Astro-3, 60/900 FH auf EQ-1, Coronado PST auf EQ-2, 30-60x60 Spektiv, 20x80 Triplet FG, 16x80 FG, 10-30x60 FG, 10x50 FG, 7x50 FG, 7x35 FG, EOS 1000D
astrobart Offline
#11 Geschrieben : Donnerstag, 27. März 2014 00:23:26(UTC)


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Hallo Heiko!

Danke für den lesenswerten Filtertest und finde es erstaunlich, dass die H-Beta Filter von ES nicht so gut filtern. Ärgerlich für dem Preis... Ich hoffe, mein gebraucht gekaufter H-Beta Filter von Lumicon zeigt auch die gewünschte Wirkung. Bisher konnte ich diesen Filter noch nicht gescheit nutzen. Dem Andreas (Woddy) hatte ich mal meinen Filter geliehen, weiß aber nicht mehr so genau wie er ihn fand. Jetzt hab ich ja meinen 10.6" Spiegel da, so dass irgendwann die entsprechende Nacht kommen wird. Wenn ich mir das Spektrum vom ES H-Beta Filter #0694 anschaue, könntest Du ihn glatt schon fast als O-III Filter verwenden. BigGrin BigGrin BigGrin BigGrin Die 496 nm Linie nimmt er ja fast sogar mit. ^^

Apropos: Ich denke mal, Du hast die ES-Filter zurück geschickt, oder? Magst Du nun in Richtung 1000 Oaks Filter gehen? Oder willst Du gar keinen H-Beta Filter kaufen?

Viele Grüße

Christian
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Erblickt das ganze funkelnde Volk am Firmament,
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Benny Offline
#12 Geschrieben : Donnerstag, 27. März 2014 07:58:50(UTC)


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Guten Morgen Heiko,

wow du hast dich einmal mehr mächtig ins Zeug gestürzt! Vielen Dank für den erschöpfenden Vergleichstest, ich hatte ja auch Interesse an diesem Filter von ES angemeldet, das Geld kann ich mir nun definitiv sparen! Damit schiebt sich mein H-Beta Wunsch weiiiit nach hinten BigGrin Für die paar Mal im Leben sind mir die anderen dann doch zu teuer, da leihe ich mir lieber hin und wieder einen von einem der Mitbeobachter Wink

Viele Grüße Benny
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kosmisches band Offline
#13 Geschrieben : Donnerstag, 27. März 2014 14:28:57(UTC)


Rang: Fortgeschrittener Spechtler
Mitglied seit: 09.03.2013(UTC)
Beiträge: 193
Wohnort: Saarbrücken
hi

jepp, und mein vorhaben bezüglich eines OIII-2" von ES lass ich wohl besser auch steckenBored

gruß Denis
dans le dunkel, c'est bon munkel
tigger Offline
#14 Geschrieben : Donnerstag, 27. März 2014 15:42:54(UTC)


Rang: Stellvertretende Forenleitung
Mitglied seit: 06.09.2008(UTC)
Beiträge: 4.712
Mann
Wohnort: Taunus
Hi Denis

Kann ich nicht nachvollziehen, mein [OIII] von ES ist voll diensttauglich.
Weicher als der Baader, was hinlänglich bekannt keine Kunst ist und nicht signifikant
schlechter als der zum Vergleich ebenfalls herangezogene Astronomik.

Dass der h-beta soviel schlechter ist als die mehr als doppelt so teuren Wettbewerber nimmt irgendwie auch nicht Wunder,
ich erwarte in der Preisklasse mittelmässiges - und genau das leistet er wohl.

Auf den [OIII] aus gleichem Haus - zumindest meinen - lasse ich aber nix kommen, der taugt.


Gruß und klaren Himmel

Jan
Adventure. Heh. Excitement. Heh. A Jedi craves not these things.
...und nun zum Wetter!



Endlich EX-Raucher!!
Benny Offline
#15 Geschrieben : Donnerstag, 27. März 2014 19:38:41(UTC)


Rang: Graue Eminenz
Mitglied seit: 09.12.2007(UTC)
Beiträge: 5.717
Mann
Wohnort: Taunus
Hallo,

japp das kann ich bestätigen, ich hatte den ES Filter mal intensiv zusammen mit meinem Baader am Okular letztes Jahr und war durchaus angetan - er ist definitiv breiter, aber das war ja gewünscht :) Die Filterwirkung war sehr angenehm, eben nicht so hart aber mit unbeeinträchtigter Sternabbildung.

CS Benny
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